Gemeinsam die Zukunft vermessen: Fachexkursion des GeoSN in die Schweiz
Man kann es drehen, wie man will - ein Besuch beim Bundesamt für Landestopografie ist unglaublich eindrucksvoll und inspirierend, genau wie der Zauberwürfel mit Kartenmotiven von swisstopo.
Diesen Sommer war das GeoSN im Rahmen einer Fachexkursion in die Schweiz bei den Geo-Kollegen in Wabern zu Gast. Im Gepäck natürlich der Digitale Zwilling Sachsen, aber auch eine ganze Menge Fragen zur Arbeit der Schweizer Behörde, die bereits seit 1941 am Rande von Bern sitzt und sich als Dirigent der landesweiten Geoinformationssysteme versteht. Hier laufen die Fäden zusammen, sagt Fridolin Wicki über sein Amt, die nationale Referenzstelle für Raum und Untergrund und ein Pionier für Datenmanagement und digitalisierte Verwaltung. Da lohnt es sich, genau hinzuschauen, nachzufragen und zu lernen. Denn die Aufgaben und Herausforderungen der Vermessungsverwaltung in Sachsen und der Schweiz sind sich gar nicht so unähnlich.
»Wissen wohin« - taugt als Slogan für zukunftsorientiertes Agieren genauso wie für Kartographie, Topographie, Geodatenmanagement und Vermessung. Und die typische Antwort auf fast alles in der Schweiz, es ist von Kanton zu Kanton verschieden, ist uns auch in der Bundesrepublik nicht ganz fremd - Föderalismus at its best. Auch wenn mit der Swisstopo-App ein landesweites Tool massive Erfolge feiert - ein preisgekröntes virtuelles Schaufenster in die Arbeit der Behörde und ihrer Partner in Sachen GIS und Geodaten. 600.000 User pro Monat, das muss man erstmal toppen.
Die Kartenapp ist ein interessantes Ziel, ebenso wie ein konsolidiertes Webangebot für alle Geodaten und Dienste im Freistaat Sachsen, sicher auch in Kombination mit dem Digitalen Zwilling als Tool zur Verwaltungsmodernisierung. Hier bleiben wir gern mit den Schweizer Kollegen im Austausch.
Mehr als Karten: Eine Fachexkursion mit Blick in die Zukunft der Geoinformation
Neben dem spannenden Einblick in die Schweizer Kunst der Produktion analoger und digitaler Karten und neuer Präsentationsformen und Anwendungen von Geodaten wurde in den Gesprächen auch schnell klar, dass trotz nationaler Unterschiede beide Länder praktisch vor den gleichen Herausforderungen stehen:
- der Beitrag amtlicher Geoinformationen zu Digitaler Souveränität
- Erfolgsfaktoren der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft
- Transformation von Landkarten als nationales Landschaftsgedächtnis hin zu einem attraktiven, nutzerzentrierten Beitrag zur Digitalen Daseinsvorsorge
- Schaffung eines neuen Gleichgewichts zwischen Bereitstellung offener Geodaten als OpenData und Schutz von Informationen, insbesondere kritischer Infrastrukturen
- Beitrag Digitaler Zwillinge und Geologischer Modelle zur Wirtschaftsentwicklung und Investitionssicherung
Im Anschluss an den Besuch der Schweizer Bundesbehörde für Topographie und Geodaten in Bern standen weitere Termine in Zürich auf dem Programm.
Schon zuvor hat die Fachgruppe die Anreise von Dresden über die Alpen genutzt, um sich über eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Schweiz zu informieren. In Göschenen stand die Besichtigung der Baustelle der Zweiten Röhre des Gotthard-Straßentunnels auf dem Programm verbunden mit einer intensiven Führung durch einen Fachmann des Schweizer Straßen-Bundesamts (ASTRA). Bei der Weiterfahrt über den Sustenpass entdeckten die mitreisenden Geodäten beim Fotostopp mit Schneeresten im Felsen einen historischen Vermessungspunkt, der direkt für leuchtende Augen und interessante Diskussionen sorgte.
Schließlich in Zürich angekommen ging es bei den Kollegen von Esri Schweiz und in deren Zentrum für Forschung und Entwicklung um die allerneusten Entwicklungen in Sachen Geo-Technologie. Zusätzlich zu wissenschaftlichen Vorträgen und innovativen Use Cases der Programmierer gab es auch sehr praktische Anwendungsfälle, wie den virtuellen Streifzug durch ein detailgetreu nachgebildetes Zürich, mit der Option sich von einem Ort zum nächsten zu beamen, über die Stadt zu fliegen oder eben durch die Häuserreihen zu schlendern. Gautian Splatting heißt die Technologie, die das sehr lebensecht darstellt. Fakt ist aber auch, dass die VR-Brille mit all ihren technischen Möglichkeiten am Screen einen echten Spaziergang am Zürichsee nicht ersetzen kann. Innovation ist gut, aber bisweilen ist das echte Leben doch besser.
Geodaten neu gedacht: Inspirationen aus der Schweiz für Sachsen
Sehr bereichernd war auch der Besuch bei den Fachkollegen vom Amt für Geomatik und Vermessung der Stadt Zürich, die sich mit großer Kompetenz und Präzision für ihre Stadt und deren Zukunft einsetzen. Besonders interessant für die Fachleute aus Sachsen war der umfangreiche Austausch zu Vermessung und Katasterwesen im Kontext der digitalen Transformation sowie die Anwendungen von Geodateninfrastrukturen und Digitalen Zwillingen in 3D und 4D.
Beim Besuch der Fachkollegen vom Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich ging es ganz konkret um die aktuellen Herausforderungen, die Geodäten, GIS-Experten und Landesentwickler auf Landes- bzw. Kantonsebene in der Schweiz ebenso wie im Freistaat Sachsen sehen. Der Austausch zu den relevantesten Themen wie Digitaler Zwilling Sachsen, KI im Kontext GIS und die Perspektiven einer großräumig integrierten Geodateninfrastruktur war ausgesprochen intensiv und zukunftsorientiert. Das nächste Treffen ist damit schon anvisiert – denn Austausch funktioniert dann am besten, wenn er kontinuierlich ist und die Verbesserung realer Alltagsthemen im Joballtag anstrebt. So wie bei den Begegnungen zwischen Sachsen und der Schweiz.