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Digitale Zwillinge kennen keine Grenzen

GeoSN stärkt mit innovativen Partnerschaften den europäischen Dialog

Ein Stadtstaat, ein Freistaat, ein Nationalstaat – die Ausgangslage könnte unterschiedlicher kaum sein. Aber was alle eint, ist die Idee eines europäischen Zwillings bzw. ein Netz von Digital Twins über Ländergrenzen hinweg.

Stilisierte Silhouette von Prag
© GeoSN (erstellt mit KI)

Hamburg, Sachsen und Tschechien stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Infrastruktur vorausschauend planen, Mobilität effizient gestalten, den Folgen des Klimawandels begegnen und gleichzeitig wirtschaftliche Entwicklung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Digitale Zwillinge können dabei helfen. Sie bilden reale Räume digital ab, ermöglichen Simulationen und schaffen die Grundlage für fundierte, datenbasierte Entscheidungen.

Wie dieses Potenzial künftig noch besser genutzt werden kann, darüber tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Geoinformationsbranche erstmals beim Czech-German Geospatial Meeting im Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Prag aus. Unter dem Leitthema »Digital Twins bring countries, regions, cities and people together« stand die Frage im Mittelpunkt, wie Digitale Zwillinge die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärken und innovative, resiliente sowie nachhaltige Regionen in Europa fördern können.

Die Zukunft guter Nachbarschaft ist digital

Für das GeoSN ist klar: Digitale Zwillinge entfalten ihren größten Nutzen dort, wo Regionen, Städte und Staaten zusammenarbeiten. Dazu sagt GeoSN-Präsident Ronny Zienert: »Die Zukunft guter Nachbarschaft ist auch digital – und sie hat ein Abbild: den Digitalen Zwilling. Zwischen Hamburg, Dresden und Prag entstehen neue Formen der Kooperation, getragen von Daten, Standards und gemeinsamen Visionen. Denn ob Hochwasserschutz, Infrastruktur oder Stadtentwicklung – überall dort, wo Regionen zusammenrücken, braucht es verlässliche Koordinaten und gemeinsame digitale Grundlagen. Wie dieses Miteinander über Ländergrenzen hinweg gelingen kann, zeigt das neue binationale Veranstaltungsformat in Prag.«

Herausforderungen kennen keine Grenzen

Im Gespräch
© GeoSN

Dass die Herausforderungen der digitalen Transformation selten an Verwaltungs- oder Staatsgrenzen enden, wurde während der Veranstaltung immer wieder deutlich. Viele Fragestellungen ähneln sich – unabhängig davon, ob sie Städte, Regionen oder ganze Staaten betreffen. Umso wichtiger ist der Austausch von Erfahrungen, das Lernen voneinander und die gemeinsame Entwicklung von Lösungen.

Auch Josefina Ofner, Leiterin des Verbindungsbüros des Freistaates Sachsen in Prag, unterstrich die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit: »Digitale Zwillinge bringen frische Ideen in unsere Städte und Regionen, stärken den Zusammenhalt und schaffen einen greifbaren Mehrwert für die Menschen – gerade auch in Grenzräumen. Egal ob Metropole oder ländlicher Raum – von verlässlichen Partnerschaften und praxisnahen Lösungen profitieren alle. Umso wichtiger ist es, dass wir die Kooperation zwischen den Partnerstädten Prag und Hamburg sowie Dresden gemeinsam mit unseren tschechischen Partnern konsequent weiterentwickeln.«

Mit dem Czech-German Geospatial Meeting konnte dafür ein neuer deutsch-tschechischer Dialog angestoßen werden – mit dem gemeinsamen Ziel, Digitale Zwillinge europaweit weiterzuentwickeln und ihre Potenziale für Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft besser nutzbar zu machen.

Gemeinsam an einem europäischen Ökosystem arbeiten

Staatssekretär Sören Trillenberg bei seinem Grußwort
© GeoSN

Der Digitale Zwilling Sachsen ist Teil dieser europäischen Entwicklung. Sören Trillenberg, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, betonte: »Als Nachbarn teilen wir nicht nur eine gemeinsame Grenze, sondern auch die Vision, unsere Regionen durch digitale Innovationen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch enger zu vernetzen. Mit dem Digitalen Zwilling Sachsen tragen wir unseren Anteil dazu bei. Es ist ein zentrales Projekt, das wir mit großer Begeisterung und Engagement vorantreiben. Er soll ein landesweites digitales Abbild unseres Freistaates schaffen – eines, das Stadt und Land verbindet und Planungen der Kommunen unterstützt. Damit können wir einen wirksamen Beitrag zur Verwaltungsmodernisierung leisten – bei Genehmigungsvorhaben zum Beispiel zum Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch in den Bereichen Mobilität und Hochwasserschutz.«

Auch Hamburg verfolgt mit seinem Urbanen Digitalen Zwilling das Ziel, Planungsprozesse transparenter und effizienter zu gestalten. Der internationale Austausch mit Partnern wie Sachsen und Prag soll dazu beitragen, gemeinsame Standards zu entwickeln und die europäische Vernetzung weiter auszubauen. »Mit dem Digitalen Zwilling Hamburg schaffen wir echte Mehrwerte für die Stadtgesellschaft: Planungen werden schneller, transparenter und nachvollziehbarer – etwa bei neuen Wohngebieten oder gezieltem Klimaschutz. Bürgerinnen und Bürger profitieren von besseren Informationen und mehr Beteiligungsmöglichkeiten. Der internationale Austausch, wie hier in Prag, hilft uns, gemeinsam innovative Lösungen für lebenswerte Städte zu entwickeln, « sagt Jan Pörksen, Chef der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg.

Und Thomas Eichhorn, Geschäftsführer des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung Hamburg, ergänzte im Rahmen der Veranstaltung in Prag: »Die Entwicklung Urbaner Digitaler Zwillinge ist für Hamburg ein zentrales Zukunftsprojekt. Die Urban Data Platform bildet dafür die entscheidende Grundlage. Wir setzen auf offene Daten, innovative Technologien und die enge Zusammenarbeit innerhalb der Stadt und mit Partnern wie Sachsen und Prag. Die europäische Vernetzung ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.«

Das Programm des Czech-German Geospatial Meeting umfasste Fachvorträge, internationale Praxisbeispiele, eine Podiumsdiskussion sowie den Austausch über europäische Standards für Digitale Zwillinge. Ziel der Veranstaltung war es, bestehende Partnerschaften zu vertiefen, neue Kooperationen anzustoßen und die europäische Dimension digitaler Innovationen im Bereich Geoinformation sichtbar zu machen. Denn die Zukunft Digitaler Zwillinge ist definitiv europäisch.

EUSPA
© GeoSN

Das zeigte sich auch beim anschließenden Besuch der EUSPA, der Europäischen Agency for the Space Program mit Sitz in Prag. Unter dem Motto »Make it with space oder was DigitalerZwillingSachsen mit dem All zu tun hat« gab es einen spannenden Austausch zwischen den Gästen aus Dresden und Hamburg sowie Stefan Schneider und seinem Team.

Dabei wurde eindrucksvoll sichtbar, wie selbstverständlich Satellitendaten heute unseren Alltag und die digitale Transformation unterstützen. Navigation mit Galileo, präzise Erdbeobachtung durch Copernicus, sichere Zeit- und Positionsinformationen für kritische Infrastrukturen, Mobilität, Katastrophenschutz oder moderne Geoinformationssysteme – viele digitale Anwendungen wären ohne Weltraumdaten kaum denkbar. Gerade für die Geodatenverwaltungen eröffnen sich dadurch enorme Möglichkeiten: von hochaktuellen Geobasisdaten über automatisierte Analysen bis hin zu digitalen Zwillingen von Städten, Regionen und ganzen Ländern. Denn was wäre schöner als ein Freistaat Sachsen? Na klar, zwei Freistaaten – allerdings direkt hier auf der Erde.

Besonders spannend war im Austausch mit den europäischen Space-Experten in Prag die Erkenntnis, dass Weltraumdaten längst ein wichtiger Baustein für datengetriebene Entscheidungen, nachhaltige Entwicklung und eine leistungsfähige digitale Verwaltung sind.
Kurz gesagt: Wer die digitale Transformation gestalten will, sollte den Blick nicht nur über Ländergrenzen hinweg sondern auch oben ins All richten.

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