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Der römische ‚Terminus‘ oder auch: »Tag des Grenzsteins«

Grenzstein
© GeoSN/Rolf Ortgieß

Am 23. Februar wird alljährlich der Tag des Grenzsteins begangen.

Was hat der römische ‚Terminus‘ mit unserem GeoSN gemein? Vielleicht bringt ja ein kurzer Blick zurück und in die jetzigen Tätigkeiten eines Referates in unserem Hause Licht ins Dunkel.  

»Das Numen des Grenzsteins wurde schon beim Einbringen geehrt, indem in die ausgehobene Grube Blut eines Opfertieres gegossen, Feldfrüchte gelegt und Wein und Honig geträufelt wurden, bevor der mit Blumen bekränzte und mit Öl gesalbte Grenzstein hinabgesenkt wurde. Das Fest des Terminus, die Terminalien, von Titus Tatius, dem zeitweiligen Mitregenten des Romulus, oder von Numa Pompilius eingesetzt, wurde auf den letzten Tag des Jahres gelegt. Das war bis zum Jahre 153 vor Christus der 23. Februar.« (aus Franz X. Simmerding: »Grenzzeichen, Grenzsteinsetzer und Grenzfrevler«)

Und wie sieht es heute aus, gerade in einer Zeit wo so vieles auf digital umgestellt und vorangetrieben wird?

Die Fachkollegen aus dem Referat 33 – Landesgrenzen des GeoSN haben noch eine ganz spezielle Verbindung zu den Grenzsteinen am äußersten Rand des Freistaates Sachsen. Denn die, die sich mit der Landesgrenze zu den benachbarten Bundesländern beschäftigen, suchen in der Örtlichkeit nach alten Grenzsteinen, unterirdischen Vermarkungen und ggf. auch Zeugen unter den abhanden gekommenen Grenzsteinen, um eben diese Landesgrenze exakt bestimmen zu können. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass tiefe Löcher gegraben und regelrechte Gruben ausgehoben werden müssen.

Und die, die an der Staatsgrenze zur Tschechischen Republik tätig sind, haben den gesetzlichen Auftrag für eine ordnungsgemäße und rechtsverbindliche Abmarkung dieser Grenze Sorge zu tragen.

So wurde u.a. von den Mitarbeitern des Referates 33 im vergangenen Jahr 2025 der Grenzabschnitt III, welcher sich über eine Länge von 19,3 km von Seifhennersdorf, über Ebersbach-Neugersdorf bis Neusalza-Spremberg erstreckt, bearbeitet.

Hier wurden von den 560 vorhandenen Grenzzeichen, welche als Grenzstein, Metallbolzen, Granitplatte, Platte, Stein bodengleich und Kreuz im Fels vermarkt sind, 482 in die richtige Lage gebracht, eins an eine sichere Stelle versetzt, ein stark beschädigtes ausgetauscht sowie ein fehlendes durch ein neues ersetzt. Die Grenzzeichen wurden anschließend mit weißer Farbe versehen und die Nummerierung sowie die Initialen mit schwarzer Farbe angebracht. Der Grenzstreifen wurde von Bewuchs freigehalten und um die Grenzzeichen wurde eine Freifläche geschaffen. So hat doch alles wieder seine Ordnung zwischen Böhmen und Sachsen.

Die oben beschriebenen Ritualien aus der altrömischen Zeit werden heutzutage bei der Vermarkung der Grenzzeichen nicht mehr vollzogen. Diese wären wohl nicht mehr ganz zeitgemäß, so munkelt man unter Kollegen. Jedoch kann es gut möglich sein, dass der ein oder andere Vermesser auch heute noch die Vermarkung des Grenzsteines ehrwürdig zelebriert – und das ist gut so.  Denn eine Überlieferung einer alten sächsischen Landvermesserweisheit besagt: »Am Raen, am Raen, da steht ein alter Steehn. Und steht der Steehn nicht mehr am Raen, da fang ich an zu weehn.«

Ein Hoch auf den Grenzstein! ;-)

Rolf Ortgieß
Referat 33 – Landesgrenzen

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