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Das Gebäude früher und heute

Der Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen hat seinen Dienstsitz im so genannten „Administrations-Gebäude“, dem Gebäude der Verwaltung der Garnison Dresden. Der Bau entstand in den Jahren 1875 und 1876 als Teil des Arsenalkomplexes mit dem Arsenalhauptgebäude (heute Militärhistorisches Museum der Bundeswehr) und dem gegenüberliegenden „Montierungsdepot“ (heute Teil des Amtsgerichtes Dresden und der Landesdirektion Sachsen).

Nach Gründung des Deutschen Reichs 1871 wurde nördlich von Dresden eine neue Militärstadt gebaut. Damit ergab sich mitten im Stadtzentrum Raum für die ambitionierten städtebaulichen Vorhaben des aufstrebenden Sächsischen Königreichs. Zentraler Platz der neuen Militärstadt war der Königsplatz (heute Olbrichtplatz) als Vorplatz der Arsenalanlage.

Die Bauten des Arsenalkomplexes bilden ein Rechteck mit Seitenlängen von 550 m und 250 m und sind auf drei Terrassen angelegt. Das Gebäude Olbrichtplatz 3 befindet sich auf der untersten Terrasse.

Das Haus wurde als Dreiflügelanlage mit drei Hauptgeschossen, einem Mansardgeschoss und einem Kellergeschoss errichtet. Die Gebäudeecken sind durch überhöhte Eckgeschosse (Kopfbauten) und die Mittelachse des Mittelflügels durch einen Risaliten betont. Zur Erschließung der Räume erhielt das Gebäude vier Treppenhäuser.

Die Eingliederung in den Arsenalkomplex ergibt sich aus seiner Anordnung östlich der Promenade zum Arsenalhauptgebäude und dem spiegelbildlichen Gebäude westlich dieser Promenade. Dieser ebenfalls in Hufeisenform errichtete Bau erhielt noch Ende des 19. Jahrhunderts einen vierten Flügel. Auch die beiden Torhäuser wurden erst 1896 errichtet.

Im Juli 1875 begann die Baufirma Wendler aus Bautzen mit der Errichtung des zum Arsenalkomplex gehörenden Gebäudes. Im Dezember 1876 fand die Übergabe nach der Baufertigstellung statt, ehe es im April 1877 bezogen wurde. Als „Administrations-Gebäude“ beherbergte es verschiedene Büros, aber auch die Wohnung des Direktors der Bauverwaltung der Albertstadt sowie des Direktors des gegenüberliegenden „Montierungsdepots“.

In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre hatte im zweiten Stock der in Leisnig geborene, am Hitlerattentat 1944 beteiligte General Friedrich Olbricht seine Dienstwohnung, während sich im Gebäude auch sein Büro als Chef des Stabes des IV. Armeekorps befand.

Nach der Erbauung 1875-76 übernahm die militärische Administration das Gebäude Olbrichtplatz 3. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Komplex nicht beschädigt. Seit Herbst 1945 ist die sächsische Vermessungsverwaltung hier untergebracht; allerdings hat sich im Laufe der Zeit der Name mehrfach geändert: u. a. Hauptvermessungsamt, Landesvermessungsamt, Topographischer Dienst, VEB Geodäsie und Kartographie, Landesvermessungsamt Sachsen - heute GeoSN.

In den vielen Jahren seiner Nutzung hat das Haus keine nennenswerten baulichen Veränderungen erfahren. Lediglich die Heizungsanlage und die Elektroleitungen wurden 2001/02 erneuert.

Wegen des teilweise bedenklichen Zustandes der Bausubstanz wurde Mitte 2001 der Bedarf einer grundhaften Sanierung des Gebäudes anerkannt, um die vom damaligen Landesvermessungsamt Sachsen, dem heutigen GeoSN benötigten Flächen innerhalb des vorhandenen Hauses unterzubringen, die örtlichen Gegebenheiten mit den neuen funktionalen Anforderungen an die Behörde in Einklang zu bringen sowie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter zu verbessern. Zusätzlich sollten Schulungs- und Unterrichtsräume als Ersatz für die Schließung der Vermessungsschule sowie von Lagerflächen als Ersatz für die Auflösung des Kartenlagers in Bad Schlema geschaffen werden. Außerdem sollte der Komplex einen zentralen barrierefreien Eingangsbereich erhalten. Als Voraussetzung für die Durchführung der Arbeiten zog ein Teil der Mitarbeiter 2009 in ein Interimsobjekt. Die Arbeiten fanden in zwei Bauabschnitten statt. 2013 wurde das sanierte Gebäude dem GeoSN übergeben.

Im Zuge der Sanierung wurde die Fassade nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Ein zwischenzeitlich am Westflügel errichteter Eingangsbereich wurde abgerissen, im zweiten Geschoss zusätzlich angebrachte Austritte wurden entfernt.

Als zentralen Mittelpunkt erhielt das Gebäude im Innenhof einen neuen Eingang. Durch die großzügige Öffnung der Fassade als modernes Stahl-Glaselement mit schmalen Profilansichten setzt dieser einen gestalterischen Akzent. Der neue Eingangsbereich dient der Abwicklung des gesamten Zugangsverkehrs mit Pförtner. Die repräsentative Treppenanlage mit einem Stahl-Glas-Geländer führt in den öffentlichen Verkaufsraum für Karten- und Luftbilder auf Erdgeschossniveau. Die übrigen Bereiche des Gebäudes sind nicht öffentlich.

Die Räume der Kopfbauten im 1. Obergeschoss mit den historischen Austritten wurden als Besprechungsräume belegt, so dass diese repräsentativen Balkone auch im Geschäftsbetrieb genutzt werden können.

Das Kellergeschoss beherbergt vorwiegend Lager-, Archiv- und Technikräume. Die Ziegelgewölbe sind mit Ausnahme der Räume mit Server- und Kältetechnik erhalten geblieben.

Im Dachboden sind die Wartungsgänge zu den beiden SAPOS-Stationen (Flügel A und D) untergebracht. Eine davon ist aktiv in das nationale Satellitenpositionierungssystem eingebunden, die zweite dient nur dem Schulungsbetrieb.

Im Zuge der Sanierung wurden die haustechnischen Anlagen komplett saniert und an die aktuellen technischen Standards angepasst.

In der Flucht des Hauptgebäudes, Flügel D wurde ein Garagengebäude zur Unterbringung der Messkraftwagen und Dienst-Lkw sowie einer Servicestelle neu errichtet.

Die Gestaltung der Außenanlagen ist Bestandteil des Gesamtensembles Olbrichtplatz. Durch die notwendige Feuerwehrumfahrt entstand im Innenhof eine Mittelinsel mit Fußwegen, Sitzbereichen und Fahrradbügeln. Zur optischen Aufwertung dieser Mittelinsel wurden ein historischer Landesgrenzstein von 1729 und ein Kunstwerk, das an die früher verwendeten Punktsignale erinnern soll, aufgestellt.

Kunstwerk »Terra inkognita«

Das zweiteilige Kunstwerk des Leipziger Künstlers Thomas Henniges »Terra inkognita« wird im Eingangsbereich des GeoSN präsentiert.

Die gesamte Glasfläche des Haupteingangs wird von einem Liniennetz überspannt, das mit seiner Struktur das Ideal einer ästhetisch gestalteten Urbanität symbolisiert. Damit wird Mitarbeitern und  Besuchern die Funktion des Gebäudes sofort veranschaulicht.

Auf der gegenüberliegenden Innenwand zeigen 20 abstandslos gehängte Leuchtkästen eine bearbeitete Luftaufnahme in chromatischer Farbgebung. Das aus den Leuchtkästen entstehende Raster erinnert an das Zusammenfügen von Einzelbildern zu komplexen Luftaufnahmen. Das Landschaftsbild ist von einem Liniennetz überlagert und soll als Assoziation an Geodaten eines Geoinformationssystems oder Punkte von Dreiecksmessungen zu verstehen sein. In unregelmäßigem Rhythmus leuchtet in der Mitte das Zitat des Sozialwissenschaftlers und Philosophen Gregory Bateson: „Die Karte ist nicht das Territorium und der Name ist nicht die benannte Sache.“ Das Zitat verweist auf die Grenzen der Darstellungsmöglichkeiten von Kartenwerken, welche eine differenzierte und komplexe Realität immer abstrahiert wiedergeben.

“Das Netz“ im großen Beratungsraum

Ausgangspunkt für die Installation „Das Netz" war für den Künstler, Herrn Stefan Nestler aus Dresden, die Karte des unter Geodäten als „Nagelsches Netz" bekannten Sächsischen Dreiecksnetzes aus dem 19. Jahrhundert. Das Kunstwerk setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zum einen besteht es aus einem Wandbild (2 m x 3 m) im großen Sitzungszimmer, das plastisch die 36 Punkte 1. Ordnung des historischen Netzes in den Grenzen des Freistaates Sachsen zeigt. Diesem Netz ist eine Gravur des Netzes 2. Ordnung mit 122 Punkten unterlegt. Den zweiten Teil bildet ein Holzsignal auf dem Hof des GeoSN, wie es in der Triangulation üblich war. Mit diesen zwei Werken wird eine Innen-Außen-Beziehung hergestellt, die wirkungsvoll eines der Aufgabenfelder des GeoSN beschreibt.

Kunst aus Kartenstreifen im Mittelbau

Die Sitznischen der drei Etagen des Mittelbaus sind in besonderer Weise gestaltet. Der Künstler, Herr Stefan Nestler, hat dazu aus alten, durch aktuellere ersetzten topographischen Karten besondere Werke (Grundriss I, II und III) geschaffen. Aus in mehreren Lagen übereinander geklebten Kartenstreifen lässt er eine neue, teils bizarre Landschaft entstehen, in die er jeweils eine geometrische Figur gelegt hat. Dabei bleibt die Antwort auf die Frage, welches Gebäude sich hinter dem einzelnen „Grundriss" verbirgt, einzig und allein der Phantasie des Betrachters überlassen.

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